Kepler

Frankreich, Mailand und Rom

Leonardos erster Aufenthalt in Frankreich im Jahre 1507, wo er für den König am Hofe Ludwig XII arbeitete, war nur von kurzer Dauer - bereits 1508 kehrte er nach Mailand zurück, um dort für den Gouverneur Charles d'Amboise zu arbeiten. Er fertigte weitere Studien über Licht und Farben in der Natur an, beschäftigte sich mit Geologie und Botanik. Seine Studien finden ihren Ausdruck in seinen künstlerischen Werken, so zum Beispiel im Hintergrund des Bildes "Hl. Anna Selbdritt".

Auch nach dem Tode d'Amboises 1511 blieb Leonardo in Mailand und nahm einen Auftrag des Generals Gian Giacomo Trivulzio an, ein Reiterdenkmal zu erbauen - es ist nahe liegend, dass er dazu auf Studien zurückgreift, die er bereits für das erste Reiterstandbild der Sforza in Mailand angefertigt hatte. Auch dieses Werk, das in Stein gefertigt werden sollte, wird niemals errichtet - 1512 verlieren die Franzosen die Herrschaft über Mailand. Die meisten Künstler und Gelehrten wandern nach Rom ab.

Anatomiestudien, Quelle: http://home.tiscalinet.ch/biografien/biografien/davinci.htm

Leonardo bleibt vorerst, nicht zuletzt wegen Studien, die in seiner Epoche verboten und von der Kirche geahndet waren - in Kooperation mit dem Arzt Antonio della Torre, einem berühmten Anatom, seziert er die Leichen von Männern und Frauen. Dabei hat er ein besonderes Interesse an der Embryologie und fertigt die vermutlich erste Zeichnung eines Kindes im Mutterleib an. Die Hingabe, mit der sich Leonardo diesen Studien widmete und dabei weder die rechtlichen noch die gesundheitlichen Gefahren der nächtlichen Sektionen oder die mit der Tätigkeit verbundenen Unannahmlichkeiten scheute, ist bemerkenswert. Seine Zeichentechnik, mit der er Muskeln, Sehnen und Knochen detailliert darstellen konnte, war wissenschaftlich sehr präzise und seine Werke blieben bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wegweisend in dem Bereich der Anatomie.

1512 siedelte Leonardo ebenfalls nach Rom über, doch fand er an der Stadt wenig Gefallen - die erhoffte Unterstützung durch den Papst Leo X. blieb aus, die Konkurrenz durch andere Künstler wie Raffael und Michelangelo war groß. In dieser Zeit entstand das einzige Selbstbildnis Leonardos, die Zeichnung eines alten Mannes mit Bart und offenem Haar. 1515 malte er "der Heilige Johannes", ein umstrittenes Werk. Leonardo zog sich immer mehr in die Einsamkeit zurück.